Verhandlungen von Geschlechtergrenzen in der Technik: Unterschied zwischen den Versionen

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Paulitz, Tanja, 2012, "Hegemoniale Männlichkeiten" als narrative Distinktionspraxis im Wissenschaftsspiel. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, Jg. 37, H. 1. 45-64.
 
Paulitz, Tanja, 2012, "Hegemoniale Männlichkeiten" als narrative Distinktionspraxis im Wissenschaftsspiel. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, Jg. 37, H. 1. 45-64.
|Projektberichte=Paulitz, Tanja; Prietl, Bianca (2013): Verhandlungen von Geschlechtergrenzen in der Technik. Kurzbericht zum Forschungsprojekt. Uni Graz. Graz. Online verfügbar unter http://www.soziologie.rwth-aachen.de/global/show_document.asp?id=aaaaaaaaaacmcth, zuletzt geprüft am 20.03.2014.
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Aktuelle Version vom 4. Februar 2019, 17:39 Uhr


Verhandlungen von Geschlechtergrenzen in der Technik

Rahmenbedingungen

Laufzeit von 2010/02 bis 2013/03
Projektstatus abgeschlossen
Projekttyp
Art der Finanzierung gefördert
Förderung/Finanzierung FWF
Förderprogramm

Projektbeschreibung

Projektkürzel
Projekttitel (en) Gendering of Boundary Work in Engineering
Link zur Projektwebsite
PDF Projektbeschreibung http://pf.fwf.ac.at/project_pdfs/pdf_abstracts/p22034d.pdf
Inhalt Im Anschluss an die neuere Wissenschaftsforschung sowie an wissenssoziologische und gendertheoretische Perspektiven wurde im Projekt der Frage nachgegangen, wie die Herausbildung von Fach- und Tätigkeitsverständnis sowie Berufsbild in den deutschsprachigen Technikwissenschaften, sowohl im historischen Verlauf als auch in der Gegenwart, mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Geschlecht verknüpft ist.

Die durchgeführte Langzeituntersuchung zentraler innerfachlicher Debatten zeigt, wie seit der Professionalisierung des Ingenieurwesens zu einem akademischen Berufsfeld Mitte des 19. Jhd. bis heute das Fachverständnis zwischen Theorie- und Praxisorientierung oszilliert und die unterschiedlichen fachlichen Perspektiven mit je spezifischen Vorstellungen von Männlichkeit verbunden werden. Praktiker und Theoretiker entwickeln unterschiedliche Auffassungen von der Männlichkeit des Ingenieurs; und umgekehrt wird Männlichkeit in ganz unterschiedlichen Ausprägungen zur symbolischen Ressource für das Reüssieren der Ingenieure im akademischen Bereich. Eine parallel angelegte Langzeituntersuchung des in Lexika dokumentierten, historischen Allgemeinwissens zeigt, dass die Entstehung der modernen Technik das Resultat eines Prozesses der Verengung und mehrfachen Verschiebung der Definitionen von Technik ist. Ähnliche Verschiebungsprozesse finden im Wissen über die Maschine, den Ingenieur und die Konstruktionstätigkeit statt. Dabei rücken die gewerblichen Tätigkeiten in verwissenschaftlichter Form sowie die Arbeitsmaschine und ihre Gestaltung ins Zentrum; einhergehend entsteht der Ingenieurberuf als bürgerlicher, männlich konnotierter Beruf. Die ergänzend dazu durchgeführte qualitative Querschnittstudie bezieht sich auf die aktuelle Situation an österreichischen Technischen Universitäten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass im Vergleich von grundlagen- und anwendungsorientierten Fachgebieten zwei unterschiedliche Konzepte der Technikwissenschaft und des Ingenieurberufs vorherrschen. Sowohl das Konzept des technischen Theoretikers als auch das des technischen Generalisten erweisen sich als latent geschlechtlich aufgeladen und stellen somit zwei Spielarten technikwissenschaftlicher Männlichkeit dar.

In der Gesamtbetrachtung kommt das Projekt zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Konzeptionen von Fach und Beruf erweisen sich als hochgradig kontextabhängig und variabel, sowohl in historischer wie auch gegenwärtig in fachgebietsvergleichender Perspektive.
  • Konstruktionsweisen von Männlichkeit müssen als komplexe Phänomene betrachtet werden, wenn über das Verhältnis von Technik und Geschlecht nachgedacht wird. Eine monolithische Vorstellung von dem männlichen Ingenieur greift in mehrfacher Hinsicht zu kurz.
  • Für gleichstellungspolitische Vorhaben bedeutet dies, dass die (latente) männliche Markierung von technischen Fach- und Berufskonzepten miteinbezogen werden muss.
Abstract (en) Gendering of Boundary Work in EngineeringStarting from the social studies of science and technology and from a sociology of knowledge as well as from a gender studies perspective, the project focuses on how definitions and demarcations of scientific territories, professional practices and images of German engineering have been historically and are currently linked to social ideas about gender. A long-term analysis of central professional debates within German engineering shows how understandings of the engineering profession have oscillated between an orientation towards theory respectively practice since its professionalization as an academic discipline in the mid-19th century, and how these diverse professional understandings have been linked to specific understandings of masculinity. Practitioners and theoreticians have developed diverse ideas about the masculinity of engineers; contrariwise masculinity in its specific forms has become a symbolic prerequisite for the success of engineers within academia. An in parallel conducted long-term analysis of historical general knowledge, as it is reflected in encyclopedias, shows how the establishment of the modern notion of technology is the result of a narrowing-process, including multiple shifts, of what is considered as technology. In this process practices of craftsmanship and engineering design become scientific; alongside, the engineering profession is formed as a 'masculine' civil profession. A cross-sectional analysis of a broader range of subdisciplines in current academic engineering at Austrian technical universities shows that there are two diverse concepts of the engineering profession that dominate in rather fundamental, theory-oriented respectively rather applied practice-oriented areas. The concept of the engineering theorist as well as of the engineering generalist are both implicitly coded masculine, thus, displaying two current forms of engineering masculinity.

In sum, the project gained the following results:

1. the concepts of engineering as an academic discipline and the images of the engineer are variable and highly depending on context – in historical as well as in current perspective.

2. ways of constructing masculinity must be understood as complex phenomena when thinking about gender and technology. A monolithic idea of the male engineer appears to be foreshortened in several ways.

3. concerning gender equality programs, it can be noted that the (latent) male gender coding of engineering’s professional concepts needs to be taken into account.

Schlagwörter IngenieurIn; Diskurs
Land Deutschland; Österreich
Bundesland

Themen

Lebenssituation
Qualifizierung
Karriere
Wiss. Einrichtungen
Wissenschaftssystem Wissenschaftskultur
Doing Gender Männlichkeit; Geschlechterkonstruktion

Forschungsgegenstand

Sektoren Hochschule
Fächergruppen MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik)

Beteiligte Institutionen

Zentrale Institution Karl-Franzens-Universität Graz (Graz)
Institutionstyp Universität
Institut
Institutswebsite http://www.uni-graz.at/
Zentrale Institution Technische Hochschule Aachen (RWTH Aachen) (Aachen)
Institutionstyp Technische Universität
Institut
Institutswebsite

Beteiligte Personen

Projektleitung Prof. Dr. Tanja Paulitz
Projektbearbeitung Bianca Prietl; Armin Ziegler

Methoden & Stichprobe

quantitative Methoden
qualitative Methoden Qualitatives Interview; Dokumentenanalyse; Diskursanalyse
weitere Methoden
Stichprobe Hochschulpersonal

Methodischer Ansatz: Längsschnittstudie: W

Stichprobenumfang: 19 Stichprobe, sonstiges: Allgemeinlexika; Fachzeitschriften

Ergebnisse / Output

Veröffentlichungen Paulitz, Tanja, Barbara Hey, Susanne Kink, Bianca Prietl (Hrsg.), 2015, Akademische Wissenskulturen und soziale Praxis. Geschlechterforschung zu natur-, technik- und geisteswissenschaftlichen Fächern. Sektionsreihe Frauen- und Geschlechterforschung Band 42. Münster: Westfälisches Dampfboot.


Paulitz Tanja, Kink, Susanne, Prietl, Bianca, 2015, Fachliche Distinktion und Geschlechterunterscheidung in Technik- und Naturwissenschaften. Grundlagen- und anwendungsorientierte Wissenskulturen im Vergleich. In: Paulitz, Tanja, Hey Barbara, Kink, Susanne, Prietl, Bianca, Hrsg., Akademische Wissenskulturen und soziale Praxis. Münster: Westfälisches Dampfboot. 207-225.

Paulitz, Tanja; Ziegler, Armin, 2015, Technik und Ingenieur – auf den Begriff gebracht! Zur Formierung eines „männlichen“ bürgerlichen Berufsfeld. In: Paulitz, Tanja, Hey Barbara, Kink, Susanne, Prietl, Bianca, Hrsg., Akademische Wissenskulturen und soziale Praxis. Münster: Westfälisches Dampfboot. 97-115..

Paulitz, Tanja; Prietl, Bianca, 2015, Kontinuitäten und Brüche des nationalsozialistischen Technokraten. Geschlechtersoziologische Studien zum Ingenieurwesen der rationalisierten Moderne. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, Themenheft "Nationalsozialismus und Soziologie", hrsg. von Horvath, Kenneth & Andreas Kranebitter. Heft 2/2015. 209-226.

Paulitz, Tanja; Prietl, Bianca, 2013, Spielarten von Männlichkeit in den "Weltbildern" technikwissenschaftlicher Fachgebiete. Eine vergleichende empirische Studie an österreichischen Technischen Hochschulen. In: Informatik-Spektrum. 36/3. 300-308.

Paulitz, Tanja, 2012, Mann und Maschine. Eine genealogische Wissenssoziologie des Ingenieurs und der modernen Technikwissenschaften, 1850-1930. Bielefeld: transcript.

Paulitz, Tanja, 2012, "Hegemoniale Männlichkeiten" als narrative Distinktionspraxis im Wissenschaftsspiel. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, Jg. 37, H. 1. 45-64.

Berichte, Manuskripte, Arbeitspapiere Paulitz, Tanja; Prietl, Bianca (2013): Verhandlungen von Geschlechtergrenzen in der Technik. Kurzbericht zum Forschungsprojekt. Uni Graz. Graz.
Konferenzen

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