Fallstudien zur Verschränkung von Fachkulturen und Forschungsorganisationen am Beispiel der Physik

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Fallstudien zur Verschränkung von Fachkulturen und Forschungsorganisationen am Beispiel der Physik

Rahmenbedingungen

Laufzeit von 2012/05 bis 2015/07
Projektstatus abgeschlossen
Projekttyp Verbundprojekt
Art der Finanzierung gefördert
Förderung/Finanzierung BMBF; ESF
Förderprogramm Frauen an die Spitze

Projektbeschreibung

Projektkürzel GenderDynamiken
Projekttitel (en)
Link zur Projektwebsite http://www.genderdynamiken.de/de/home/
PDF Projektbeschreibung http://www.dlr.de/pt/Portaldata/45/Resources/a_dokumente/bildungsforschung/esf-vorhaben/FP_1235_36_Okay_FaS.pdf
Inhalt Im Verlauf der beiden vergangenen Dekaden kann bundesweit eine stetige Erhöhung der Beteiligung von Frauen in den MINT-Fächern verzeichnet werden. Jedoch sind nach wie vor Hindernisse zu konstatieren, die quer zu Disziplinen und Berufsfeldern als 'gläserne Decke' der Beteiligung und dem Aufstieg von Frauen entgegenwirken. Das Forschungsvorhaben gender Dynamiken gründet auf die These, dass Frauen ein- und ausschließende Mechanismen in aktuelle Wissenschaftsentwicklungen eingebunden sind und fragt nach den Zusammenhängen von Fachkulturen, unterschiedlichen Organisationsformen von Wissenschaft und politisch induzierten Veränderungen in den Disziplinen. Am Beispiel des Faches Physik soll untersucht werden, wie sich diese Wandlungsprozesse darstellen. Ziel ist die analytische Aufarbeitung der Wechselwirkung von Fachkulturen und Organisationsstrukturen.

Gegliedert ist das Verbundvorhaben in drei Teilprojekte, von denen jedes auf ein anderes institutionelles setting und dessen spezifische Verschränkung von Organisationsstruktur und Fachkultur fokussiert. Es werden Fallstudien in Hochschulen, in außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in neuen Formen der Forschungsorganisation (Sonderforschungsvorhaben bzw. Exzellenzcluster) durchgeführt. Die kontrastierende Fallanalyse setzt sowohl innerhalb der Teilprojekte an, die ihre Fälle aus unterschiedlichen Bundesländern wählen, als auch quer dazu entlang der institutionellen Differenzen. Aufbauend auf den Ergebnissen sollen Handlungsansätze zur Umsetzung von Chancengleichheit in der Wissenschaft überprüft werden und neue Initiativen in die wissenschaftliche Praxis der analysierten Fächer getragen werden.

Teilprojekt: Hochschulen

Hochschulprofessuren mit Arbeitsgruppen sind die klassische und am stärksten etablierte Organisationsform der physikalischen Forschung. Die Forschungsfelder sind dabei an den meisten Universitäten ähnlich strukturiert und folgen einer Unterscheidung von Theoretischer und Experimenteller Physik sowie einer Differenzierung in innerfachliche Ausrichtungen wie Festkörperphysik, Kernphysik, Astrophysik und interdisziplinäre Teilgebiete wie Bio- und Medizinphysik. Während also die Organisationsformen der physikalischen Institute an Universitäten nach außen relativ ähnlich wirken, lassen sich bundesweit deutliche Unterschiede in den Geschlechterdynamiken in der Physik beobachten. Das Teilprojekt rückt diese Dynamiken in den Mittelpunkt der Forschung. Untersucht werden die Beziehungen zwischen Organisationsstrukturen, physikalischer Fachkultur und Geschlechterarrangements an mehreren Hochschulen in den alten und neuen Bundesländern. Zum einen soll geklärt werden, ob und wie sich Fach- und Geschlechterkulturen an den physikalischen Instituten aufgrund regionaler, lokaler und historischer Besonderheiten unterschiedlich ausprägen. Zum anderen werden Unterschiede in der Organisationsstruktur und Fachkultur zwischen Technischen Universitäten und klassischen Volluniversitäten in den Blick genommen.

Teilprojekt: Neue Formen der Forschungsorganisation

Wird Forschung interdisziplinär, kann dies zu einer Veränderung der beteiligten Fachkulturen führen und Frauen in der Wissenschaft neue Chancen eröffnen, aber auch neue Benachteiligungen verursachen. Was passiert also, wenn im Falle der Physik ein Fach mit einem traditionell sehr geringen Frauenanteil auf ein Fach mit einem traditionell höheren Frauenanteil stößt? In den neuen Formen der Forschungsorganisation (SFBs und Exzellenzinitiativen) hat die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fächern besonders stark zugenommen. Allerdings sind in der Physik nicht alle Forschungsfelder gleich stark betroffen. Während etwa die Theoretische Physik noch sehr klassisch forscht, sind Katalyseforschung, Nanophysik oder Umweltphysik stärker interdisziplinär organisiert.

Was bedeutet es für die gender-Dynamiken, wenn dabei zwei Fächer mit unterschiedlichem Frauenanteil und unterschiedlichen Geschlechterkulturen aufeinander treffen? Entstehen hybride Dynamiken? Ist dies im Vergleich zu klassisch disziplinärer Forschung förderlich oder hinderlich für Frauen? Existieren allgemeine Dynamiken, oder gibt es vielmehr einen Zusammenhang mit spezifischen Typen interdisziplinärer Zusammenarbeit?
Diesen Fragen geht der Arbeitsbereich 'Neue Formen der Forschungsorganisation' in ethnographischen Beobachtungen und Experteninterviews an je zwei Exzellenzclustern und Sonderforschungsbereichen nach.

Teilprojekt: Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, in denen physikalische Forschung stattfindet, gehören in der Regel zu einer der vier großen Dachorganisationen für Forschung: der Fraunhofer-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, der Max-Planck-Gesellschaft und der Leibniz-Gemeinschaft. Im Teilprojekt 'Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen' werden Institute aus drei dieser Dachorganisationen untersucht. Im Unterschied zu Universitäten gehört die Ausbildung von AkademikerInnen nicht zu den Aufgaben der außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Sie widmen sich ganz der Forschung, aber mit unterschiedlichen Ausrichtungen. So ist das Programm der Max-Planck-Institute eher grundlagenorientiert, während die Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft sich gesellschaftlichen Herausforderungen widmen. Die Fraunhofer-Institute wiederum sind stark technologie- und anwendungsorientiert ausgerichtet. Für das Teilprojekt ist die Frage zentral, ob und wie die programmatischen und inhaltlichen Ausrichtungen der untersuchten Institute mit den Geschlechterkulturen der Institutionen wechselwirken.

Abstract (en) The project is a collaboration between the Freie Universität Berlin (Prof. Dr. Elvira Scheich, Department of Physics) and the Technical University of Berlin (Prof. Dr. Nina Baur, Institute of Sociology; Prof. Dr. Sabine Hark, Center for Interdisciplinary Women and Gender Studies). In the past two decades the participation of women in STEM-fields has constantly increased. Nevertheless, the "glass ceiling" still hinders the participation and the professional advancement of women across all disciplines and occupational areas. With the research project genderDynamics we aim to understand the mechanisms, by which women are both in- and excluded from science, as embedded in current structural transformations taking place within the scientific fields. In the case of physics we seek to analyze these changes with particular regard to the interactions between professional cultures, different types of research organizations and policy-governed changes within science. Which patterns can be observed and to what extent do they affect gender relations? The project is divided into three sub-projects, each focusing on a different institutional setting and on its specific entanglement with organizational structures and professional cultures. Four case studies for each of the sub-projects will be carried out in German universities, extra-university institutes and new research entities e.g. excellence clusters. The case studies will be further examined with respect to their local institutional contexts and their coverage of physical research fields. Based on these results, approaches to implement equal opportunities in science will be reviewed contributing to novel initiatives in the scientific practices of the analyzed disciplinary work places.
Schlagwörter Physik; Außeruniversitäre Forschung; Professionalisierung; Hochschulforschung; Fachkultur; Gender; Sonderforschungsvorhaben; Exzellenzcluster
Land Deutschland
Bundesland

Themen

Lebenssituation
Qualifizierung
Karriere Karriereverlauf
Wiss. Einrichtungen Organisationsentwicklung
Wissenschaftssystem Wissenschaftskultur
Doing Gender

Forschungsgegenstand

Sektoren außerhochschulische Forschungseinrichtung; Hochschule
Fächergruppen MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik)

Beteiligte Institutionen

Zentrale Institution Technische Universität Berlin (Berlin)
Institutionstyp Technische Universität
Institut Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung
Institutswebsite http://www.zifg.tu-berlin.de/
Zentrale Institution Technische Universität Berlin (Berlin)
Institutionstyp Technische Universität
Institut Institut für Soziologie
Institutswebsite http://www.gsw.tu-berlin.de/menue/politikwissenschaft_und_sozialkunde
Zentrale Institution Freie Universität Berlin (Berlin)
Institutionstyp Universität
Institut Fachbereich Physik
Institutswebsite http://www.mes.tu-berlin.de/

Beteiligte Personen

Projektleitung
Projektbearbeitung Prof. Dr. Sabine Hark; Dr. Mike Laufenberg; Prof. Dr. Petra Lucht; Prof. Dr. Nina Baur; Grit Petschick; Maria Norkus; Dr. Martina Erlemann; Dr. Elvira Scheich

Methoden & Stichprobe

quantitative Methoden
qualitative Methoden Qualitatives Interview; Qualitative Beobachtung
weitere Methoden
Stichprobe Wissenschaftliche Mitarbeitende

Methodischer Ansatz: kontrastierende Fallanalyse Längsschnittstudie: F

Stichprobenumfang: Stichprobe, sonstiges: je 4 Fallstudien in Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in neuen Formen der Forschungsorganisation

Ergebnisse / Output

Veröffentlichungen Veröffentlichungen:
  • Erlemann, Martina (2015): Geschlecht in physikalischen Fachkulturen: Ethnographische Sondierungen, In: Akademische Wissenskulturen und soziale Praxis. Geschlechterforschung zu natur-, technik- und geisteswissenschaftlichen Fächern im Vergleich. Tanja Paulitz, Barbara Hey, Susanne Kink, Bianca Prietl (Hg.). Forum Frauen- und Geschlechterforschung. Westfälisches Dampfboot, Münster: 156-174.
  • Erlemann, Martina (2014): genderDynamiken in der außeruniversitären Forschung der Physik, In: Bettina Langfeldt, Anina Mischau (Hrsg.): Strukturen, Kulturen und Spielregeln. Faktoren erfolgreicher Berufsverläufe von Frauen und Männern in MINT. Nomos-Verlag, Baden-Baden: 13-35.
  • Erlemann, Martina (2014): Entanglements of gender cultures and disciplinary cultures in physical sciences: Resonances and divergences, In: Critical Issues in Science and Technology Studies. Conference Proceedings of the STS Conference Graz 2014, URL: www.ifz.aau.at/ias/IAS-STS/Publications/Proceedings-STS-Conference-Graz-2014.
  • Lucht, Petra (erscheint vorauss. 11/2015): De-Gendering STEM: An Ethnography of a Physics Laboratory, In: Ittel, Angela; Lazarides, Rebecca (Hg.): Special Issue 'Gendered motivation and choice in STEM: individual and contextual factors'. International Journal of Gender, Science and Technology.
  • Petschick, Grit (2015, im Erscheinen): Der Beitrag des Mittagessens zur Exklusion von Frauen aus der Wissenschaft. Informelle Mechanismen und die gläserne Decke, In: Lucht, Petra; Mauss, Bärbel (Hg.): Neue Technologien und aktuelle feministische Theoriebildung. Centaurus Verlag.
  • Petschick, Grit (2014): Einflussfaktoren auf die Karrieren von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, In: Bettina Langfeldt, Anina Mischau (Hg.): Strukturen, Kulturen und Spielregeln. Faktoren erfolgreicher Berufsverläufe von Frauen und Männern in MINT. Nomos Verlag: Baden Baden, S. 36-56.
  • Petschick, Grit (2014): Geschlechterpraktiken in neuen Formen der Forschungsorganisation am Beispiel der Physik. Erste Resultate aus dem Projekt 'genderDynamiken, In: Busolt, Ulrike et al. (Hg.): Karriereverläufe in Forschung und Entwicklung. Bedingungen und Perspektiven im Spannungsfeld von Organisation und Individuum.: Logos Verlag: Berlin, S. 48-65.
  • Petschick, Grit; Thierbach, Cornelia (2014): Teilnehmende Beobachtung, In: Nina Baur; Jörg Blasius (Hg.): Handbuch Empirische Sozialforschung, S. 855-866.
Berichte, Manuskripte, Arbeitspapiere Martina Erlemann, Free University Berlin; Petra Lucht, Technical University Berlin. Revisiting Embodiment and Materiality in Ethnography of Sciences and Technologies (2013 http://www.genderdynamiken.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Open_Panel_4S_2013_ErlemannLucht.pdf
Konferenzen Abschlusskonferenz "Wissenschaft im Wandel. genderDynamiken in Hochschule und Forschung am Beispiel der Physik" 25. - 26. Juni 2015 in Berlin http://www.genderdynamiken.de/de/abschlusskonferenz/

genderDynamics. Professional Cultures and Research Organizations in Physics. Kick-Off-Conference. Berlin, 22-23 November 2012 http://www.genderdynamiken.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Kick-off-Tagung/genderDynamiken_Kick-off_Program.pdf

Weitere Projektdarstellungen

Projektlink zum SOFISwiki http://sofis.gesis.org/sofiswiki/GenderDynamiken
Weitere Projektdarstellungen https://www.mes.tu-berlin.de/v-menue/projekte/neue_formen_der_forschungsorganisation/


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