Gender Studies in der Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt

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Eine Studie zur Schweiz und Europa

Gender Studies in der Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt

Rahmenbedingungen

Laufzeit von 2004/10 bis 2006/09
Projektstatus abgeschlossen
Projekttyp
Art der Finanzierung gefördert
Förderung/Finanzierung Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung - SNF -
Förderprogramm

Projektbeschreibung

Projektkürzel
Projekttitel (en) Gender studies: offer, demand and transformational potential in society. An international comparative study
Link zur Projektwebsite https://genderstudies.unibas.ch/forschung/forschungsprojekte/transformational-potential-in-society/
PDF Projektbeschreibung
Inhalt Gender Studies stehen in der Schweiz schon seit den 1970er Jahren auf der Agenda universitärer Bildungsangebote. Im Vergleich zu vielen anderen westeuropäischen Staaten ist ihr Institutionalisierungsgrad trotz erster Professuren, Studiengänge und Graduiertenprogramme sowie einem großen Spektrum regional und überregional koordinierter Netzwerke jedoch noch sehr gering. Mit Blick auf den Bologna-Prozess sowie die internationale Anschlussfähigkeit von Gender Studies als akademische Disziplin widmet sich die Studie unter anderem den Fragen, welches die mit dem spezifischen Angebot in Lehre und Forschung verknüpften sozialen und berufsbezogenen Qualifikationen und Kompetenzen sind, die dieser Studiengang vermittelt und wie die Gender Studies diese in aktuelle Curriculum-Reformen einbringen sowie welche Bedeutung und Umsetzungsmöglichkeiten dieser Studiengang auf dem Arbeitsmarkt aufweist.

Es wurde ermittelt, in welche Berufsfelder und berufliche Tätigkeiten die StudienabgängerInnen münden. Dabei ging es einerseits um ein Erfassen der Beschäftigungschancen, die Studierende, Hochschullehrerinnen, Arbeitsmarkt und Wissenschaftspolitik mit der Aufnahme eines Studiums im Bereich Gender Studies assoziieren. Andererseits wurde versucht, die Bestimmungen der sozialen und berufsbezogenen Dimensionen von "Genderkompetenz" auf dem Hintergrund der unterschiedlichen Lebenswelten und Rationalitäten von Wissenschaft und Arbeitsmarkt abzubilden. Ergebnisse: Gender Studies haben - gemessen am späten Zeitpunkt ihrer Institutionalisierung - rasch die Entwicklungen anderer europäischer Länder nachvollzogen; eine intensive und pragmatische Auseinandersetzung über die mit der Frauen-, Männer- und Geschlechterforschung verknüpften Inhalte, Qualifikationsziele und beruflichen Perspektiven von Studierenden wird heute auf akademischer wie wissenschaftspolitischer Ebene geführt. Als Wissenschaft generieren Gender Studies Erkenntnisse theoretischer und methodischer Art, die immer auch Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Einflussnahme und Transformation eröffnen. Dies beruht auf einer inter- und transdisziplinären Perspektive und einem fachübergreifenden Vorgehen, bei dem jeweils beide Geschlechter in Problemstellung einbezogen werden.

Bei den befragten Studierenden und StudienabgängerInnen ist nicht ein "radikaler Feminismus" vorherrschend, sondern entwicklungsfördernde Vorstellungen, bei denen der Geschlechterdualismus und daran geknüpfte Wirklichkeitsvorstellungen und Diskurse in Frage gestellt werden können. In erster Linie kann heute das im Studium erworbene Wissen in den professionalisierten Bereich der Frauen- und Gleichstellungsarbeit einfließen. Neben diesem "Kernbereich" kommt genderbezogenem Wissen nach Aussage der hier befragten Frauen und Männer auch im Bildungs-, Gesundheits- und Rechtswesen, in sozialen Berufen oder der Entwicklungszusammenarbeit eine wichtige Rolle zu. Schließlich bildet die Ausbildung Ausgangspunkt der Entwicklung innovativer Aufgabenbereiche oder selbständiger unternehmerischer Tätigkeit, indem mittels der eigenständigen Anwendung von geschlechterbezogenem Wissen auf Fragestellungen anderer Disziplinen und Themengebiete Berufsfelder erschlossen, ergänzt und generiert werden. Gemessen an ihrer Bedeutung, finden die von den Studienangeboten vermittelten Qualifikationen und Kompetenzen aus Sicht der Hochschulvertreterinnen in der Arbeitswelt noch zu wenig Resonanz, was auf einem Defizit an Wissen und Informationen über die Inhalte und Zielsetzungen der Gender Studies zurückzuführen sein dürfte. Auch kritisieren VerteterInnen des Arbeitsmarktes die "Praxisferne" der Geschlechterstudien, wobei nicht die Theorie bzw. das empirisch begründeten Wissen der Gender Studies selbst in Frage gestellt wird, sondern dessen mangelnder Vermittlung, genauer: dem Mangel an Überführung von akademischem Wissen in den gesellschaftlichen und beruflichen Alltag. Ausgehend von einer nicht primär berufsorientierten Bildungskonzeption, hat das Geschlechterstudium einen Anspruch auf Persönlichkeitsbildung und die Vermittlung von Orientierungswissen. Das im Studium erworbene Wissen trägt zu einer spezifischen Sensibilität für Geschlechterfragen und Geschlechtergerechtigkeit, zum "Empowerment" im Sinne eines gestärkten Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins bei. Bereits bei der Studienwahl stand das Interesse an einer intensiven persönlichen Auseinandersetzung mit Geschlechterbeziehungen und eines ausgeprägten Bewusstseins für Geschlechterungleichheiten im Vordergrund. Die Verwertbarkeit der Studienqualifikationen auf dem Arbeitsmarkt bildet dabei für viele der von uns Befragten kein zentrales Studienmotiv. Allerdings ist in der jüngeren Studiengeneration durchaus eine stärkere Berufs- und Beschäftigungsorientierung festzustellen. Doch vermag die Realität auf dem Arbeitsmarkt diese im europäischen Vergleich sogar überdurchschnittlichen Erwartungen der schweizerischen Befragten an ihre späteren Berufsaussichten bei weitem nicht zu entsprechen. Bis heute mangelt es gleichermaßen aus der Sicht der Hochschulvertreterinnen wie aus Sicht des Arbeitsmarktes an einem "Brückenschlag" zwischen der an den Hochschulen verankerten Ausbildung und Forschung und den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes. Qualifikationsbeschreibungen müssen in die aktuellen Curriculum-Reformen eingebracht und für Studierende wie den Arbeitsmarkt erkennbar werden. Gender Studies nehmen wichtige Entwicklungen zukünftiger Wissenschaftspraxis vorweg, können aktiv an der Entwicklung neuer Standards in Forschung und Lehre partizipieren und darauf Einfluss nehmen. Indem sie ihre wissenschaftlichen Potentiale gerade auch im Rahmen neuerer Wissenschaftskonzeptionen aufzeigen, können sie ihr eigenes Schicksal an den Hochschulen mitgestalten.

Abstract (en) The Swiss Council of Science and Technology recently stated the need for the integration of Gender Studies into teaching and research, in order to identify the mechanisms (re)producing inequalities between men and women in all spheres of society including higher education. Up till now registers of Gender Studies in Switzerland document various teaching and research activities, but this field has just started to be institutionalized. Its still marginal position within higher education seems not only to express the necessity for professionalization of Gender Studies as an academic field, but also a lack of acceptance in education and society due to the paucity of information about Gender Studies itself. There is a strong need for more information about competencies and qualifications related to Gender Studies and the current and future demand for this knowledge on the labour market and in society. The aim of this project is to generate pragmatic knowledge about the social and professional qualifications and skills Gender Studies offer and the demand for "gender knowledge" on the labour market and in higher education. Beyond that it investigates the impact of Gender-Studies-related knowledge on individual employment opportunities and careers, as well as the transformational impact of related competences on workplaces and organizations. Analytically the project seeks to outline qualifications and competencies related to Gender-Studies training within the interplay of conceptions developed in higher education and educational policies on the one hand, the employment market and individual occupational trajectories on the other.


The project is theoretically based on interdisciplinary perspectives within the social sciences, while it will also profit from methods of interpretative social research and statistical analysis. Empirical data will be gained with the help of semi-standardized interviews with representatives of Gender Studies, scientific and educational politics, professionals, and students and graduates of Gender-Studies courses and programmes in Switzerland. The individual occupational trajectories of past and present students of Gender Studies will be based on standardized questionnaires, and will be analysed cross-nationally in cooperation with an EU-funded research network of nine European countries. Addressing key concerns of current discussions in science and higher education and related policy fields, and contributing to the discussion of the relation between science and society in general, the findings of the project will provide basic information for students and academia, for decision-makers in higher educational and scientific politics, for employers, working organizations and the public. Serving as a basis for the development and specification of curricula as well as competence courses in Gender Studies, the study will contribute to the professionalization of the field and offer society relevant knowledge for meeting the requirements of our and future times.

Schlagwörter Studiengang; Gender Studies; Beschäftigung; Qualifikation; Curriculumentwicklung; Institutionalisierung; Interkultureller Vergleich
Land Schweiz; Europa
Bundesland

Themen

Lebenssituation
Qualifizierung
Karriere
Wiss. Einrichtungen Genderaspekte in Forschung und Lehre
Wissenschaftssystem
Doing Gender

Forschungsgegenstand

Sektoren Hochschule; Arbeitsmarkt allg.
Fächergruppen Genderforschung

Beteiligte Institutionen

Zentrale Institution Université de Genève (Genf)
Institutionstyp Universität
Institut Faculté des sciences üeconomiques et sociales, Études genre
Institutswebsite http://www.unige.ch/etudes-genre/
Zentrale Institution Fachhochschule Nordwestschweiz (Olten)
Institutionstyp Fachhochschule / Hochschule für angewandte Wissenschaften
Institut Hochschule für Angewandte Psychologie
Institutswebsite http://www.fhnw.ch/aps/
Zentrale Institution Universität Basel (Basel)
Institutionstyp Universität
Institut Department Gesellschaftswissenschaften und Philosophie Zentrum Gender Studies
Institutswebsite https://genderstudies.unibas.ch/

Beteiligte Personen

Projektleitung Prof. Dr. Andrea Maihofer; Thanh-Huyen Ballmer-Cao; Brigitte Liebig Morandi
Projektbearbeitung Monique Dupuis

Methoden & Stichprobe

quantitative Methoden Quantitativer Fragebogen (face-to-face, telefonisch, schriftlich)
qualitative Methoden Qualitatives Interview
weitere Methoden
Stichprobe Studierende; AbsolventInnen; WissenschaftlerInnen
Methodischer Ansatz:
1. Standardisierte schriftliche Befragung (Vollerhebung): Befragt wurden Studierende und StudienabsolventInnen im Bereich Gender Studies an Deutschschweizer und Westschweizer Universitäten sowie an Fachhochschulen (in Zürich, Olten und Luzern) Auf der Resultateebene Vergleich der Befragungsdaten mit den Daten einer europäischen Pilotstudie zu Gender Studies mit dem Titel "Impact of Women's Studies Training on Women's Employment in Europe". 2. Qualitativ-empirische Studien: Leitfadengestützte Einzelinterviews mit a) Studierenden und Absolvierenden der Aus- und Weiterbildungsgänge in Gender Studies, b) mit Wissenschaftlerinnen an Schweizer Universitäten, Fachhochschulen oder Eidgenössischen Technischen Hochschulen mit Themenschwerpunkt Gender Studies in Forschung oder Lehre sowie c) mit Vertreterinnen und Vertretern auf privatwirtschaftlichen Organisationen, Verwaltungen oder Gewerkschaften.

Längsschnittstudie: F

Stichprobenumfang: Stichprobe, sonstiges:

Ergebnisse / Output

Veröffentlichungen Liebig, B.; Dupuis, M.; Ballmer-Cao, T.H.; Maihofer, A. .(2009). Gender Studies in Ausbildung und Arbeitswelt. Das Beispiel Schweiz. Zürich: Seismo. 280 S.

Maihofer, Andrea (2006): Von der Frauen- zur Geschlechterforschung - Ein bedeutsamer Perspektivenwechsel nebst aktuellen Herausforderungen an die Geschlechterforschung. In: Brigitte Aulenbacher, Mechthild Bereswill, Martina Löw, Michael Meuser, Gabriele Mordt, Reinhilf Schäfer und Sylka Scholz (Hg.): FrauenMännerGeschlechterforschung. State of the Art. Münster: Westfälisches Dampfboot (Forum Frauen- und Geschlechterforschung, Band 19), S. 64–77.

Maihofer, Andrea (2005): Inter-, Trans- und Postdisziplinarität. Ein Plädoyer wider die Ernüchterung. In: Heike Kahlert (Hg.): Quer denken - Strukturen verändern. Gender Studies zwischen Disziplinen ; (hervorgegangen aus einer Fachtagung, die am 31.10.2003 anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Zentrums für Feministische Studien, Frauenstudien - Gender Studies (ZFS) der Universität Bremen durchgeführt wurde ; Tagung "Quer Denken - Strukturen Verändern. Gender Studies zwischen Disziplinen". 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss (Studien interdisziplinäre Geschlechterforschung, 12), S. 185–202.

Liebig, Brigitte (2004): Gender Studies zwischen Angebot und Nachfrage - Risiken und Chancen. In: Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität zu Berlin (ZtG) (Hg.): Geschlechterstudien im deutschsprachigen Raum. Studiengänge, Erfahrungen, Herausforderungen. Berlin: Trafo Verlag, S. 128–131.

Berichte, Manuskripte, Arbeitspapiere Liebig, B.. 2003. Gender Studies und Professionalisierung: Kein Widerspruch. In: genderstudies.unibe.ch, 2, 6-7, Hrsg. vom Interdisziplinären Zentrum f. Frauen- und Geschlechterforschung, Universität Bern, Bern. Online: http://www.izfg.unibe.ch/unibe/rektorat/izfg/content/e3785/e3833/e3823/zeitschrift_Nr.2_ger.pdf

Interdisziplinäres Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung, Universität Bern (2003): Lehre und Forschung in Gender Studies an der Universität Bern. Nr. 2/ Sommersemester 2003. Bern. Online verfügbar unter http://www.izfg.unibe.ch/unibe/rektorat/izfg/content/e3785/e3833/e3823/zeitschrift_Nr.2_ger.pdf, zuletzt geprüft am 23.07.2015.

Konferenzen

Weitere Projektdarstellungen

Projektlink zum SOFISwiki http://sofis.gesis.org/sofiswiki/Gender_Studies_in_der_Ausbildung_und_auf_dem_Arbeitsmarkt._Eine_Studie_zur_Schweiz_und_Europa
Weitere Projektdarstellungen https://forsbase.unil.ch/project/study-public-detail/10521/


253, SOFISwiki: Schweizer Stiftung für die Forschung in den Sozialwissenschaften, Erhebung 2006. Forsbase