Männliche Forschung – weibliche Lehre?

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Konsequenzen der Föderalismusreform für Personalstruktur und Besoldung am Arbeitsplatz Universität

Männliche Forschung – weibliche Lehre?

Rahmenbedingungen

Laufzeit von 2010/06 bis 2013/05
Projektstatus abgeschlossen
Projekttyp
Art der Finanzierung Eigenprojekt
Förderung/Finanzierung BMBF; ESF
Förderprogramm Frauen an die Spitze

Projektbeschreibung

Projektkürzel LehrWert
Projekttitel (en)
Link zur Projektwebsite http://www.hof.uni-halle.de/projekte/maennliche-forschung-weibliche-lehre/
PDF Projektbeschreibung
Inhalt Das Ziel des Projektes ist es, Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen der Einführung neuer Personalkategorien (Professuren mit Schwerpunkt Forschung- Forschungsprofessuren und Professuren mit Schwerpunkt Lehre – Lehrprofessuren) und universitären Geschlechterasymmetrien zu ermitteln. Forschungsleitende Grundannahme ist das vielfach belegte Reputationsgefälle (siehe Fragestellungen Punkt 2) zwischen Lehre und Forschung. Hierbei sollen auch die Einflüsse der reformierten Besoldung, insbesondere der flexiblen Leistungsbezüge Berücksichtigung finden.

Projektinhalte: Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts 'LehrWert' steht die Statusgruppe der Professorinnen und Professoren, insbesondere die neu eingeführten so genannten Lehr- und Forschungsprofessuren bzw. Professuren mit Schwerpunktsetzungen in Lehre oder Forschung. Wichtige Voraussetzung für die Etablierung derartiger Professuren ist die Föderalismusreform von 2006, aus der u.a. die seitdem gestärkte Eigenregie der Bundesländer in personalbezogenen Angelegenheiten resultiert. Sie zeigt erste Konsequenzen bei den hochschulrechtlichen Regelungen: die Möglichkeit die Zuständigkeit für Berufung und Besoldung von den Landesministerien auf die Hochschulen zu übertragen, qua Hochschulgesetz stärker der Lehre verpflichtete Personalkategorien einzurichten bzw. Lehrdeputate zu erhöhen. Fragestellungen: Die höhere Eigenständigkeit der Bundesländer und Hochschulen in personal- und besoldungsbezogenen Angelegenheiten wirft Fragen zur Wertigkeit von universitärer Lehre im Verhältnis zur Forschung auf, denen in dem Projekt 'LehrWert' auf folgenden Linien nachgegangen wird:

1. Ausdifferenzierung von Lehr- und Forschungsprofessuren

  • In welchem Ausmaß werden universitäre Stellenstrukturen um Lehr- bzw. Forschungsprofessuren erweitert?
  • Inwieweit reproduzieren diese neuen Stellen das Reputationsgefälle zwischen Forschung und Lehre?
  • Inwieweit erfolgt die Besetzung dieser Stellen geschlechterasymmetrisch ('Weibliche' Lehre – 'männliche' Forschung?)?

2. Reputationsasymmetrie und systemisch verankerten Höhergewichtung von Forschungs- gegenüber Lehrleistungen im wissenschaftlichen Selbstverständnis und in der universitären Praxis

  • Wird den Lehrleistungen des wissenschaftlichen Personals künftig ebenso viel Reputation zugeschrieben wie den Forschungsleistungen, wodurch alternative Anerkennungs- und Karriereoptionen generiert werden?
  • Wird die Lehre (noch) stärker von wissenschaftlichen Mitarbeiter/inne/n mit hohen Lehrverpflichtungen zu erbringen sein, wodurch deren Chancen für die Qualifizierung für die Forschung (weiter) sinken?
  • Inwiefern betrifft der Wandel der personalstrukturellen Rahmenbedingungen Professoren und Professorinnen in unterschiedlicher Weise: 'Weibliche' Lehre, 'Männliche' Forschung?
  • Eröffnen die (neuen) lehrorientierten Personalkategorien neue Ein- und Aufstiegsmöglichkeiten gerade für Frauen?

3. Anerkennung von Lehr- und Forschungsleistungen über leistungsabhängige Besoldungselemente

  • Inwieweit bestehen Differenzen in der Anerkennung von Forschungs- und Lehraktivitäten im Rahmen der flexiblen Besoldung? (Nivellierung oder Verstärkung von Reputationsasymmetrien?)
  • Welche Rolle spielt Geschlecht bei der Bewertung und Honorierung besonderer Leistungen in Forschung und Lehre?

4. Rolle und Wirkung von Gleichstellungspolitik

  • Welche Rolle und Bedeutung kommt außeruniversitären gleichstellungspolitischen Akteuren und Institutionen zu?
  • Über welche Möglichkeiten der Einflussnahme verfügt die universitäre Gleichstellungspolitik?
  • Wie müsste eine gleichstellungspolitisch Erfolg versprechende Steuerung (Gleichstellungs-Governance) aussehen, damit sie zu einem Abbau der universitären Geschlechter- und Reputationsasymmetrie tatsächlich beiträgt?

Vorgehensweise und Methoden: Auf Grund des Neuheitsgrades der zu untersuchenden hochschulpolitischen Phänomene und der z.T. erst zeitgleich zu den realen Entwicklungen möglichen Ableitung forschungsrelevanter Fragestellungen trägt das Projekt den Charakter wissenschaftlicher Begleitforschung mit intensiver Eruierungs- und Sondierungsfokussierung in der Startphase. Es kommt ein Methodenmix der quantitativen und qualitativen empirischen Sozialforschung (Triangulation) zum Einsatz, von der Erfassung der rechtlichen Rahmenbedingungen, des aktuellen Föderalismusdiskurses, ministerieller Rahmenvorgaben über Auswertung der Stellenanzeigen in Zeitschriften bis hin zu fachkulturellen Unterschieden und individuellen Berufsplanungen und -biografien sowie einen internationalen Vergleich.

Abstract (en)
Schlagwörter Forschungsprofessur; Lehre; Besoldung
Land Deutschland
Bundesland

Themen

Lebenssituation
Qualifizierung Weg zur Professur
Karriere
Wiss. Einrichtungen Gleichstellungsarbeit/Gleichstellungspolitik
Wissenschaftssystem Hochschul- und Wissenschaftspolitik
Doing Gender

Forschungsgegenstand

Sektoren Hochschule
Fächergruppen

Beteiligte Institutionen

Zentrale Institution Universität Halle-Wittenberg (Wittenberg)
Institutionstyp Universität
Institut Institut für Hochschulforschung (HoF)
Institutswebsite http://www.hof.uni-halle.de/forschung/

Beteiligte Personen

Projektleitung Dr. Anke Burkhardt
Projektbearbeitung Karin Hildebrandt; Petra Dimitrova; Romy Hilbrich; Christoph Schubert; Robert Schuster

Methoden & Stichprobe

quantitative Methoden Quantitativer Fragebogen (face-to-face, telefonisch, schriftlich); Quantitative Online-Befragung
qualitative Methoden Qualitatives Interview
weitere Methoden
Stichprobe Gleichstellungsbeauftragte; Hochschulleitung; ProfessorInnen
Methodischer Ansatz:
 Bundesebene
        Vergleichende Auswertungen der rechtlichen Grundlagen (LGG, LHG, LVV, Besoldungsregelungen: LBesG, Richtlinien der Universitäten)
        Statistische Analysen von Strukturdaten des wissenschaftlichen Personals an Universitäten
    Universitätsebene
        Online-Befragung der universitären zentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten
        Schriftliche standardisierte Befragung von ausgewählten Universitätsleitungen
        Persönliche problemzentrierte Interviews mit ausgewählten Universitätsleitungen
    Individuelle Ebene – Lehr- und Forschungsprofessoren und -professorinnen
        Berufsbiographische Interviews mit Professorinnen und Professoren, die auf Professuren mit dem Schwerpunkt Lehre oder Forschung berufen wurden

Längsschnittstudie: F

Stichprobenumfang: Stichprobe, sonstiges:

Ergebnisse / Output

Veröffentlichungen Veröffentlichungen
  • Hilbrich, Romy; Hildebrandt, Karin; Schuster, Robert (Hg.) (2014): Aufwertung von Lehre oder Abwertung der Professur? Die Lehrprofessur im Spannungsfeld von Lehre, Forschung und Geschlecht. Leipzig: Akademische Verlagsanstalt.
  • Pasternack, Peer (Hg.) (2010): Relativ prosperierend. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Die mitteldeutsche Region und ihre Hochschulen. Leipzig: Akademische Verlagsanstalt (Hochschulforschung Halle-Wittenberg). Online verfügbar unter http://www.hof.uni-halle.de/web/dateien/Relativ-prosperierend.pdf, zuletzt geprüft am 07.05.2015.
  • Bloch, Roland; Burkhardt, Anke (2010): Arbeitsplatz Hochschule und Forschung für wissenschaftliches Personal und Nachwuchskräfte. Unter Mitarbeit von Anja Franz, Dirk Lewin und Andrea Scheuring. Hans-Böckler-Stiftung. Düsseldorf (Arbeitspapier, 207). Online verfügbar unter http://www.boeckler.de/pdf/p_arbp_207.pdf, zuletzt geprüft am 07.05.2015.

Artikel und weitere Publikationen (Auswahl)

  • Roland Bloch / Anke Burkhardt / Anja Franz / Henning Schulze / Robert Schuster (2010): Entwicklung und Reform der Struktur des wissenschaftlichen Hochschulpersonals, in: Peer Pasternack(Hrsg.), Relativ prosperierend. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Die mitteldeutsche Region und ihre Hochschulen, Akademische Verlagsanstalt, Leipzig, S. 155-214
  • Anke Burkhardt (2010): Den Traditionen verpflichtet, in: DUZ Magazin 07/2010, S. 20f.
  • Romy Hilbrich (2011): 'Männliche Forschung – weibliche Lehre?' – ein neues Projekt am Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, in: Wissenschaftlerinnen-Rundbrief (FU) Nr. 2/2011, S. 25-26.
  • Romy Hilbrich (2011): Lehre, Forschung und Geschlecht im Spannungsfeld von Differenz und Hierarchie In: BdWi-Studienheft 8/2011, S. 39-41.
  • Karin Hildebrandt: Neues Projekt zur Geschlechterforschung am HoF: 'Männliche' Forschung – 'weibliche' Lehre? In: ZtG – Bulletin Info, Heft 43, S. 10-12.<
  • Karin Zimmermann / Hildegard Matthies (2010): Gleichstellungspolitik, in: Stefan Hornbostel / Andreas Knie / Dagmar Simon (Hrsg.): Handbuch Wissenschaftspolitik, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.
  • Karin Zimmermann / Hildegard Matthies (2010): Arbeitsfeld Wissenschaft und Geschlechtersegregation, in: WSI-Mitteilungen 5/2010, S. 264-269
  • Zimmermann (2000): Spiele mit der Macht in der Wissenschaft. Passfähigkeit und Geschlecht als Kriterien für Berufungen, Edition Sigma, Berlin.
Berichte, Manuskripte, Arbeitspapiere Dokumentationen

Dokumentation der aktuellen landesgesetzlichen Grundlagen zu den Kategorien des wissenschaftlichen Personals (Landeshochschulgesetze) und der Lehrverpflichtungsverordnungen in den einzelnen Bundesländern: http://www.hof.uni-halle.de/dokumentation/lehrverpflichtungen.htm

Hildebrandt, Karin: Dokumentation der aktuellen landesrechtlichen Grundlagen zu den Kategorien der leistungsorientierten Besoldung der Professuren und der aktuellen Besoldungsgesetzgebung in den einzelnen Bundesländern: http://www.hof.uni-halle.de/dokumentation/besoldung.htm

Hildebrandt, Karin: Dokumentation der aktuellen landesrechtlichen Grundlagen zu den Kategorien der gleichstellungspolitischen Rahmenbedingungen (Landesgleichstellungsgesetze) und der aktuellen Gesetzgebung für Hochschulen (Landeshochschulgesetzen) in den einzelnen Bundesländern: http://www.hof.uni-halle.de/dokumentation/gleichstellung.htm<

Konferenzen Abschlusstagung: HoF-Tagung am 26.04.2013 zur Entwicklung der Lehrprofessur: 'Differenz, Hierarchie und Geschlecht' – Neuordnungen im Verhältnis von Lehre und Forschung am Beispiel der Lehrprofessur' http://www.hof.uni-halle.de/veranstaltungen/hof-tagung-am-26-04-2013-zur-entwicklung-der-lehrprofessur-differenz-hierarchie-und-geschlecht

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